Herstellerbilder im Sanitätshaus: Warum sie austauschbar machen
Das gleiche Produkt. Das gleiche Bild. Der gleiche Instagram-Post. Nur das Logo ist ein anderes.
Viele Hersteller stellen Sanitätshäusern professionelles Bildmaterial für Produkte, Aktionen und neue Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Das ist praktisch, spart Zeit und sorgt für hochwertige Bilder. Problematisch wird es allerdings, wenn dieses Material einen Großteil der eigenen Außendarstellung ausmacht.
Denn wenn mehrere Sanitätshäuser dieselben Herstellerbilder auf ihren Websites, bei Instagram oder Facebook verwenden, entsteht aus Sicht potenzieller Patienten schnell ein Eindruck: Alle sehen irgendwie gleich aus.
Dabei unterscheiden sich Sanitätshäuser in der Realität erheblich. Beratung, Mitarbeiter, Fachkompetenz, Werkstatt, Spezialisierungen und persönliche Betreuung können völlig unterschiedlich sein. Nur sieht der potenzielle Patient davon online häufig wenig.
Herstellerbilder sind nicht das Problem
Vorweg: Herstellerbilder sind nicht grundsätzlich schlecht. Professionelle Produktfotos können sinnvoll sein, wenn bestimmte Produkte, Marken oder Versorgungslösungen vorgestellt werden sollen. Nicht jedes Sanitätshaus muss jedes Produkt selbst fotografieren.
Problematisch wird es erst, wenn Hersteller-Content die eigene Kommunikation dominiert. Wer durch die Social-Media-Profile mehrerer Sanitätshäuser scrollt, findet deshalb nicht selten sehr ähnliche Inhalte: das gleiche Produktfoto, dieselbe Kampagne oder zumindest dieselbe Bildsprache.
Der eigene Betrieb rückt dabei immer weiter in den Hintergrund. Und genau dort wird aus bequemem Content ein Problem für die eigene Positionierung.
Patienten entscheiden sich nicht nur für ein Produkt
Ein Sanitätshaus verkauft nicht einfach nur Bandagen, Einlagen, Kompressionsstrümpfe oder andere Hilfsmittel. Ein großer Teil des tatsächlichen Mehrwerts entsteht durch das, was rund um das Produkt passiert.
Dazu gehören beispielsweise:
- persönliche Beratung
- Fachwissen und Erfahrung
- individuelle Anpassung
- moderne Messtechnik
- eigene Werkstatt und Fertigung
- schnelle Erreichbarkeit
- verständliche Beratung
- freundliche Mitarbeiter
- zuverlässige Betreuung
Genau diese Faktoren können für die Entscheidung eines Patienten ausschlaggebend sein. Ein standardisiertes Produktbild des Herstellers kann davon allerdings kaum etwas vermitteln.
Das Produkt ist vielleicht überall dasselbe. Die Versorgung dahinter ist es nicht.
Und genau diesen Unterschied sollte gutes Marketing sichtbar machen.
Austauschbarer Content führt zu austauschbarer Wahrnehmung
Stellen Sie sich vor, ein potenzieller Patient schaut sich drei Sanitätshäuser aus seiner Umgebung an. Auf allen drei Websites sieht er ähnliche Produkte. Auf Instagram findet er dieselben Herstellerbilder. Und die Texte sprechen überall von Qualität, Kompetenz und persönlicher Beratung.
Warum sollte er sich ausgerechnet für einen dieser Betriebe entscheiden?
Wenn online keine Unterschiede sichtbar werden, bleiben häufig nur Faktoren wie Entfernung, Empfehlung oder Gewohnheit. Das ist eine verpasste Chance.
Denn gerade regional tätige Sanitätshäuser können etwas zeigen, das weder große Plattformen noch Hersteller einfach kopieren können: die Menschen und die Kompetenz vor Ort.
Was Sanitätshäuser stattdessen zeigen sollten
Authentischer Content bedeutet nicht, dass jede Woche ein professionelles Fotoshooting stattfinden muss. Oft sind gerade die Einblicke interessant, die für das eigene Team längst selbstverständlich geworden sind.
1. Zeigen Sie Ihre Mitarbeiter
Menschen bauen Vertrauen zu Menschen auf, nicht zu Stockfotos.
Stellen Sie Mitarbeiter und ihre Fachbereiche vor. Zeigen Sie, wer Patienten berät, Anpassungen durchführt oder in der Werkstatt arbeitet. So bekommt das Sanitätshaus ein Gesicht.
Aus „dem Sanitätshaus in der Stadt“ wird beispielsweise plötzlich: „Dort arbeitet Frau Müller, die seit 15 Jahren auf Kompressionsversorgung spezialisiert ist.“
Das bleibt eher im Kopf als das nächste Produktfoto aus einem Herstellerkatalog.
2. Zeigen Sie Ihre Arbeit
Viele Tätigkeiten in einem Sanitätshaus sind für Mitarbeiter Alltag, für Außenstehende aber weitgehend unbekannt.
Wie entsteht eine individuelle Einlage? Wie funktioniert eine Ganganalyse? Was passiert bei einer Kompressionsversorgung? Wie wird ein Hilfsmittel angepasst? Welche Arbeit findet eigentlich in der Werkstatt statt?
Solche Einblicke vermitteln Kompetenz, ohne dass ein Unternehmen permanent behaupten muss, kompetent zu sein. Man zeigt es einfach.
Erklären Sie Leistungen statt nur Produkte zu posten
Das Foto einer Bandage sagt einem Patienten zunächst relativ wenig. Interessanter ist, was hinter der entsprechenden Versorgung steckt.
Erklären Sie beispielsweise, wie eine Beratung abläuft, was Patienten zu einem Termin mitbringen sollten oder wie eine individuelle Anpassung funktioniert. Dadurch wird aus einem einfachen Produktpost hilfreicher Content.
Das Sanitätshaus positioniert sich damit nicht nur als Anbieter eines Produktes, sondern als kompetenter Ansprechpartner rund um die Versorgung.
4. Zeigen Sie Ihren Standort
Lokales Marketing darf auch lokal aussehen.
Zeigen Sie Ihre Filiale, Beratungsräume, Werkstatt oder Ihr Team. Auch regionale Aktionen, Veranstaltungen und Kooperationen können Bestandteil des Contents sein.
Dadurch entsteht eine Verbindung zwischen dem digitalen Auftritt und dem tatsächlichen Betrieb vor Ort. Wer später das Sanitätshaus betritt, sollte im besten Fall das Gefühl haben: „Genau so habe ich mir den Betrieb vorgestellt.“
5. Beantworten Sie echte Fragen Ihrer Patienten
Eine der besten Quellen für guten Content steht jeden Tag vor der Beratungstheke: Ihre Patienten.
Welche Fragen werden immer wieder gestellt? Welche Unsicherheiten bestehen vor einer Versorgung? Welche Abläufe müssen Mitarbeiter regelmäßig erklären?
- Brauche ich für diese Versorgung ein Rezept?
- Wie läuft eine Anpassung ab?
- Wie lange dauert die Versorgung?
- Muss ich einen Termin vereinbaren?
- Was sollte ich zum Termin mitbringen?
- Welche Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Versorgungen?
Damit entsteht Content, der nicht künstlich erfunden werden muss, sondern direkt aus dem tatsächlichen Alltag des Sanitätshauses kommt.
Eigene Bilder müssen nicht perfekt sein
Ein häufiger Einwand lautet: „Die Bilder vom Hersteller sehen aber professioneller aus.“
Das stimmt wahrscheinlich sogar. Professionelle Hochglanzbilder und glaubwürdiger eigener Content erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben.
Natürlich sollte ein Foto nicht dunkel, unscharf oder völlig lieblos aufgenommen sein. Gleichzeitig muss nicht jeder Social-Media-Beitrag aussehen wie eine internationale Werbekampagne.
Gerade bei einem regionalen Unternehmen kann ein gutes Foto aus dem eigenen Betrieb glaubwürdiger wirken als das perfekte Bild aus einem Herstellerkatalog. Denn der Patient sieht darauf die Menschen, Räume und Arbeitsweisen, die ihn bei einem tatsächlichen Besuch erwarten.
Herstellerbilder und eigener Content können zusammen funktionieren
Es geht deshalb nicht darum, Herstellerbilder komplett aus dem Marketing zu verbannen. Die bessere Strategie ist eine sinnvolle Mischung.
Herstellerbilder können Produkte professionell darstellen und beispielsweise bei Produktneuheiten oder speziellen Aktionen sinnvoll sein. Eigener Content übernimmt dagegen eine andere Aufgabe: Er zeigt die Menschen, die Beratung und die Kompetenz hinter der Versorgung.
Ein Hersteller kann zeigen, was ein Produkt kann. Ihr Sanitätshaus sollte zeigen, warum Patienten dieses Produkt bei Ihnen bekommen sollten.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied.
Authentischer Content hilft auch bei der Mitarbeitergewinnung
Die eigene Außendarstellung hat noch einen weiteren Effekt. Nicht nur potenzielle Patienten schauen sich eine Website oder die Social-Media-Profile eines Sanitätshauses an. Auch Bewerber tun das.
Wer über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenkt, möchte wissen, wie ein möglicher Arbeitgeber tatsächlich aussieht. Welche Menschen arbeiten dort? Wie modern ist der Betrieb? Welche Aufgaben erwarten mich? Welche Fachbereiche gibt es? Und welchen Eindruck vermittelt das Team?
Ein Social-Media-Auftritt, der fast ausschließlich aus Produktbildern besteht, beantwortet davon kaum etwas.
Eigener Content kann deshalb gleichzeitig zur Patientengewinnung und Mitarbeitergewinnung beitragen. Die gleichen Einblicke, die Patienten Vertrauen vermitteln, können potenziellen Bewerbern zeigen, was den Betrieb als Arbeitgeber auszeichnet.
Social Media sollte das Sanitätshaus zeigen, nicht nur sein Sortiment
Instagram und Facebook bieten Sanitätshäusern die Möglichkeit, regelmäßig Einblicke in den eigenen Betrieb zu geben. Trotzdem sollte nicht einfach Content veröffentlicht werden, nur damit „etwas gepostet wurde“.
Ein sinnvoller Social-Media-Auftritt sollte einem potenziellen Patienten oder Bewerber nach einigen Beiträgen vier Fragen beantworten können: Wer sind Sie? Was können Sie besonders gut? Wie arbeiten Sie? Und warum sollte man gerade zu Ihnen kommen?
Wenn Sie Social Media gezielt für Ihren Betrieb einsetzen möchten, erfahren Sie in unserem Beitrag „Social Media für Sanitätshäuser: Lohnt sich das wirklich?“, welche Rolle die Plattformen im Marketing spielen können.
Social Media für Sanitätshäuser
Auch die Website sollte den eigenen Betrieb widerspiegeln
Das gleiche Prinzip gilt für die Website. Wer dort ausschließlich Herstellerbilder oder generische Stockfotos verwendet, verschenkt eine wichtige Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen und den eigenen Betrieb von Wettbewerbern abzugrenzen.
Eine gute Website für ein Sanitätshaus sollte nicht so austauschbar sein, dass lediglich das Logo ersetzt werden müsste und sie genauso gut zum nächsten Betrieb passen könnte.
Eigene Fotos, echte Ansprechpartner, konkrete Leistungen und Informationen über den Betrieb helfen dabei, eine eigene Identität aufzubauen und potenziellen Patienten bereits vor dem ersten Besuch einen realistischen Eindruck zu vermitteln.
Welche Elemente dabei besonders wichtig sind, zeigen wir im Artikel „Die perfekte Website für Sanitätshäuser: Die 12 wichtigsten Elemente“.
Wie sichtbar ist Ihr Sanitätshaus wirklich?
Eine gute Außendarstellung besteht aus mehr als schönen Bildern. Website, Google-Sichtbarkeit, Inhalte, Patientenansprache und Mitarbeitergewinnung sollten zusammenspielen und ein klares Bild des eigenen Betriebs vermitteln.
Wenn Sie wissen möchten, wie Ihr Sanitätshaus aktuell aufgestellt ist, können Sie unseren kostenlosen Sanitätshaus-Check nutzen. Wir schauen uns Ihren aktuellen Auftritt an und zeigen Ihnen, was bereits gut funktioniert und wo möglicherweise noch Potenzial liegen bleibt.
- Wir machen die Vorarbeit. Du entscheidest danach.
Häufige gestellte Fragen
01 — Darf ein Sanitätshaus Herstellerbilder für Social Media verwenden?
Ob Herstellerbilder verwendet werden dürfen, hängt von den jeweiligen Nutzungsrechten des Herstellers ab. Sanitätshäuser sollten deshalb prüfen, für welche Kanäle und Zwecke das bereitgestellte Bildmaterial freigegeben ist.
02 — Sind Herstellerbilder schlecht für das Marketing eines Sanitätshauses?
Nein. Herstellerbilder können Produkte professionell darstellen und sind beispielsweise für Produktneuheiten oder Aktionen sinnvoll. Problematisch wird es vor allem dann, wenn fast ausschließlich Herstellerbilder verwendet werden und der eigene Betrieb dadurch kaum sichtbar wird.
03 — Welche Bilder sollte ein Sanitätshaus selbst erstellen?
Besonders sinnvoll sind eigene Bilder vom Team, den Räumlichkeiten, der Werkstatt, Beratungsbereichen und typischen Arbeitsabläufen. Sie vermitteln einen authentischen Eindruck und zeigen potenziellen Patienten und Bewerbern, was den Betrieb auszeichnet.
04 — Wie lassen sich Herstellerbilder und eigener Content kombinieren?
Herstellerbilder können gezielt zur Darstellung von Produkten eingesetzt werden. Eigene Fotos und Videos sollten ergänzend die Menschen, Beratung, Fachkompetenz und Arbeitsweise des Sanitätshauses zeigen. So entsteht eine Mischung aus professioneller Produktdarstellung und authentischem Unternehmensauftritt.
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